Choosing wisely – manchmal ist weniger mehr

You must choose, but choose wisely!

So manchem wird dieser Satz an den Film „Indiana – Jones und der letzte Kreuzzug“ erinnern, bei dem Indiana Jones zum Ende seiner langen Suche aus einer Vielzahl an Schalen und Kelchen den wahren heiligen Gral herausfinden muss.

Primum nihil nocere

So mancher Arzt wird sich bei Vielzahl an diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten, welche  ihm heute zur Verfügung stehen, ähnlich fühlen. Dabei steht an erster Stelle des ärztlichen Handels immer der Grundsatz, dem Patienten keinen Schaden zuzufügen (lat. primum nihil nocere). Diesen Grundsatz im Einzelfall einzuhalten kann durchaus schwierig sein, da nahezu jede medizinische Maßnahme mit möglichen Nebenwirkungen und Komplikationen einhergeht. Nicht immer muss dies so dramatisch enden wie im erwähnten Film, in dem Dr. Jones eine falsche Entscheidung mit seinem Leben bezahlt hätte.

„Choosing wisely“ ist eine 2012 von der ABIM Foundation in den Vereinigten Staaten ins Leben gerufene Initiative mit dem Ziel unnötige oder überflüssige medizinische Tests, Untersuchungen und Behandlungen zu vermeiden. Inzwischen haben über 70 medizinische Institutionen und Fachgesellschaften Empfehlungen in eine Datenbank einschleust. Die entsprechenden Aussagen müssen nach den Prinzipien der Evidenz-basierten Medizin mit entsprechenden Studien unterfüttert werden.

Auch in Deutschland ist dieser Prozess nun angekommen unter steht hier unter der Federführung der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) mit dem etwas sperrigem Leitsatz „Gemeinsam Klug entscheiden“.

10 Dinge, die Ärzte und Patienten hinterfragen sollten

Die amerikanische Urologenvereinigung – American Urological Assosciation (AUA) – hat auch für ihren Fachbereich eine Liste von Maßnahmen erstellt, die es im Zweifelsfall von Seiten der Patienten und Behandler zu überdenken gilt. Im Einzelnen kann diese Liste auch auf der Seite der Initiative Choosing wisely nachgelesen werden. Frei ins Deutsche übertragen gibt die AUA folgende Empfehlungen, die es im Einzelfall zu überdenken gilt:

  1. Bei Patienten mit einem Niedrig-Risiko Prostatakarzinom kann auf eine Routine-Untersuchung des Skeletts verzichtet werden.
  2. Keine Gabe von Testosteron-Präparaten bei Patienten mit erektiler Dysfunktion und normwertigen Testosteronwerten im Blut.
  3. Bei Patienten mit einer gutartigen Prostatavergrößerung und lediglich Symptomen im Bereich des unteren Harntraktes (LUTS) kann auf eine Bestimmung der Nierenwerte im Blut und einer radiologischen Bildgebung des oberen Harntraktes verzichtet werden.
  4. Keine antibiotische Behandlung bei Patienten mit erhöhtem PSA-Wert bei fehlenden Symptomen.
  5. Keine Ultraschall-Untersuchung bei Jungen mit Kryptorchismus.
  6. Keine antibiotische Behandlung bei Patienten, die dauerhaft einen Blasenkatheter tragen oder sich selbst katheterisieren müssen, außer es treten weitere klinische Symptome hinzu.
  7. Keine Computertomographie des Beckens bei Patienten mit einem Niedrig-Risiko und lokal begrenztem Prostatakarzinom.
  8. Bei asymptomatischen Patientinnen müssen vaginale Netze nicht entfernt werden.
  9. Eine Bestimmung des PSA-Wertes sollte nur nach eingehender Aufklärung und Abstimmung mit dem Patienten erfolgen.
  10. Eine Mikrohämaturie sollte nie allein auf Grund eines Urinstreifentest diagnostiziert werden, sondern immer eine Urin-Mikroskopie durchgeführt werden.

Letztlich können und sollten medizinische Entscheidungen natürlich immer im Einzelfall und nach ausführlichen Gespräch mit dem Patienten getroffen werden. So kann ein Ultraschall bei einem Jungen mit Hodenhochstand durchaus sinnvoll sein. Allzu dogmatisch sollten diese Empfehlungen also nicht angesehen werden.

Einen etwas humorvollen Umgang mit dem Thema Choosing Wisely hat James McCormack auf YouTube bewiesen:

 

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